Tamoxifen: Meine Erfahrung und Entscheidungsfindung

September 7, 2022 in Brustkrebs

Wenn du meinen Beitrag über Bestrahlung und Hormontherapie gelesen hast, dann weiß du schon, dass ich die Hormon- Behandlung abgebrochen habe. Aber bevor ich dir von meiner Erfahrung mit Tamoxifen erzähle, gibt es ein paar Dinge, über die wir reden sollten:

Ich bin nur EINE Person. Ich repräsentiere nur EINE Erfahrung. Und die Reaktion meines Körpers ist nicht unbedingt das, was sich in deinem Körper abspielen wird.

Vielleicht hast du dir folgende Fragen gestellt:

Was macht das Tamoxifen mit mir?

Die allerbeste Info darüber, wie Frauen auf Tamoxifen reagieren, findest du im Beipackzettel des Medikaments. Im Beipackzettel gibt es auch die Info darüber, wie oft eine Nebenwirkung erwartungsgemäß auftritt. Zum Beispiel: mehr als 1 Frau von 10 bekommt Hitzewallungen. 1 bis 10 Frauen von 100 bekommen eine Thrombose. 1 bis 10 von 10.000 bekommen Gebärmutterkrebs.

Es gibt aber auch Frauen, die keine Nebenwirkungen bekommen!

Jede Frau ist anders. Leider ist es nicht möglich vorherzusagen, wer Nebenwirkungen bekommt oder wann die Nebenwirkungen auftreten werden. Nein, nicht mal der beste Arzt auf der Erde kann das.

Ein Abwägen von Nutzen vs. Risiko ist notwendig.

Deshalb ist es interessant zu wissen, was Wissenschaftler zum Nutzen sagen. Hier ein Auszug aus den S3- Leitlinien [1]:

„Adjuvante endokrine Therapien wie Tamoxifen und Aromatasehemmer reduzieren signifikant die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs um relativ ca. 40 % und die Wahrscheinlichkeit des Versterbens um relativ ca. 30 %.“

Nun, hier eine kleine Zusammenfassung über das, was wir wissen:

  • Wir wissen, dass Tamoxifen das Risiko an Brustkrebs wieder zu erkranken oder sogar daran zu sterben, reduziert.
  • Wir wissen, dass es seltene Nebenwirkungen wie Tumore der Gebärmutter gibt.
  • Es ist nicht möglich vorherzusagen, ob du Nebenwirkungen von Tamoxifen bekommst.
  • Es gibt Frauen, die das Medikament sehr gut vertragen.
  • Wir wissen, dass jede Frau anders reagiert.

Alles klar? Nein? Ich kann dich verstehen. So habe ich mich damals auch gefühlt. Es hat sich für mich wie Pokern angefühlt. Ich setze alles auf mich, denke positiv und nehme das Medikament.

Ich habe mich damals also für die Hormon- Therapie entschieden. Ich wollte die Chance nutzen, das Risiko wieder zu erkranken, so klein wie möglich zu halten. Und ich hatte gehofft, dass ich keine Nebenwirkungen bekommen würde.

Am Anfang hatte ich nur Hitzewallungen. Wochen später bekam ich starke Schmerzen im Beckenbereich um die Hüftknochen. Ich konnte keinen Sport treiben. Das Aufstehen morgens war eine Qual, da ich Anlauf- Schmerzen hatte. Ich weinte jeden Tag, weil ich die Schmerzen kaum aushalten konnte. Meine Laune ging in den Keller und ich wurde depressiv.

Ich habe mich damals über meine Schmerzen mit folgenden Fachkräften unterhalten: Orthopäde, Osteopath, Physiotherapeut, Hausarzt und Frauenarzt. Es gab nichts, was wir dagegen machen konnten. Schmerzmittel auf Dauer zu nehmen, war selbstverständlich keine Lösung. Ich habe versucht, die Schmerzen auszuhalten in der Hoffnung, dass sie nachlassen würden – aber sie gingen nicht mehr weg.

Mit nur Hitzewallungen, hätte ich die Behandlung weiter gemacht. Aber mit den starken Schmerzen kam ich nicht klar. Ich setzte das Tamoxifen ab. Ein paar Wochen später waren alle Nebenwirkungen weg.

Nun, gestern (mehr als vier Jahre nach der Behandlung) kam bei der Nachsorge heraus, dass etwas Verdächtiges bei der Mammographie zu sehen ist. Ich benötige noch eine Biopsie. Ist der Krebs wieder da? Gab es etwas, das ich dagegen hätte tun können?

Nein, ich habe alles versucht: Sport, Ernährung und auch das Tamoxifen. Ich weiß, dass ich keinen Einfluss auf das Geschehen habe. Hätte ich das Tamoxifen aus Angst vor den Nebenwirkungen nicht genommen, würde ich mich heute wahrscheinlich über meine Entscheidung sehr ärgern. Anstatt dessen, bin ich mit meinem Gewissen im Reinen.

Mir tut es sehr leid, dass dieser Beitrag wahrscheinlich keine richtige Hilfe ist. Genauso wenig werden dir die einzelnen Erfahrungen, die du im Internet findest, helfen können.

Wer oder was könnte dir helfen?

Unterhalte dich über deine Ängste / Bedenken mit deinem Arzt / Ärztin (keine Scham! Falls erforderlich, geh mehrere Male zum Arzt).  Rede auch mit Jemandem darüber, dem du gut vertrauen kannst. Meditiere über Pros und Contras! Und, wenn du gläubig bist: Bete.

Ich bin in Gedanken bei dir und schicke ich dir eine herzliche Umarmung.

Liebe Grüße

Verónica

[1] S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Version 4.4)

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Gibt mir bitte deine Meinung. gracias!

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